Asset Allocation: Antizyklik

 

Auch wenn die Asset Allocation der Hauptfaktor für den Anlageerfolg darstellt kann durch geschicktes Timing gerade auf mittlere und lange Sicht das Ergebnis weiter verbessert werden. Die sinnvollste Methode für ein solches Timing ist das antizyklische Handeln.

Was bedeutet es, Kapital antizyklisch anzulegen?

Die Wertentwicklung bzw. der Preis von Kapitalanlagen hängt von der Nachfrage ab: je höher die Nachfrage, desto höher der Preis. Betrachtet man Kapitalanlagen über lange Zeiträume, stellt man schnell fest, dass der Preis bzw. der Wert von Kapitalanlagen in Wellen schwankt. Nach Zeiten geringer Nachfrage steigt der Preis bis zu einem Kulminationspunkt an, um dann wieder zu fallen.

Preiszyklus 1

Betrachtet man nun das Anlegerverhalten bezogen auf den Preisverlauf, so fällt auf, dass die meisten Anleger sich zyklisch verhalten (tatsächlich sogar die Ursache für die Zyklen sind). Sie verkaufen, wenn die Preise niedrig sind und kaufen mit der Vielzahl der anderen Anleger, wenn die Preise hoch sind. Anleger laufen Trends hinterher.

Preiszyklus 2

In der obigen Grafik wird sofort deutlich, dass dieses Verhalten nur bei nachhaltig steigenden Märkten, also immer dann, wenn der nachfolgende Tiefpunkt höher ist als der vorhergehende, auf Dauer zu positiven Erträgen führen kann.

Bei Märkten ohne nachhaltig steigende Tendenz führt dieses Verhalten jedoch zu Verlusten.

Dies wurde bezogen auf die Wertpapiermärkte in den Jahren 1999 bis 2001, als viele Anleger in Aktien einstiegen und 2002 bis 2004, als viele Anleger in Renten umstiegen deutlich:

Umschichtungszeitpunkte

Dieses Verhalten der großen Mehrheit der Anleger im Wertpapierbereich führte dazu, dass viele Anleger die Potentiale der Märkte nicht ausreichend nutzen.

Das sinnvolle Verhalten, dann zu kaufen, wenn die Preise niedrig sind und zu verkaufen, wenn die Preise hoch sind bezeichnet man als antizyklisches Investieren

Im optimalen Fall würde das Investitionsverhalten also tatsächlich so aussehen:

Antiyklische Kapitalanlagen 1_Seite_4

So einleuchtend es ist, dass antizyklisches Handeln sinnvoll ist, so schwierig ist aber auch die Umsetzung in der Praxis.

 

Wie kann in der Praxis antizyklisch investiert werden?

Das Problem beim antizyklischen Handeln ist die Notwendigkeit, anstatt dem Trend hinterher zu laufen, diesem voraus laufen zu müssen. Um voraus laufen zu können, muss der Trend aber rechtzeitig erkannt werden.

Dies ist bei den Wertpapiermärkten besonders schwer, da diese meist irrationale Kursschwankungen enthalten. D.h. der fundamentale Zyklus, der auf rationalen Analysen beruht, wird durch psychologisch bedingte Zyklen überlagert. Ein Musterbeispiel hierfür war der massive Kurseinbruch an den Aktienmärkten im 2. Quartal 2006. Bei fundamental gesunden Märkten, die ein stetiges Wachsen der Kurse nahe legten, brachen die Märkte innerhalb kürzester Zeit um mehr als 15% ein! Erst zum 4. Quartal hin erreichten die Kurse wieder die Werte, die dem fundamentalen Zyklus entsprachen.

Bei Wertpapiermärkten ist die Identifikation der zugrunde liegenden Zyklen nur sehr schwer möglich, da neben den Fundamentalanalysen auch immer aktuelle Daten des Behavioral Finance mit einbezogen werden müssen.

Die Vielzahl der benötigten Daten und die zur Analyse notwednige Kompetenz und Zeit machen die Zyklusanalyse von Wertpapieremärkten zu einer herausfordernden Arbeit von Spezialisten. Privatanleger laufen meist den Trends hinterher. Die einzige von Privatanlegern auch alleine sinnvoll nutzbare Methode ist das Rebalancing.

Es gibt aber auch „rationalere“ Märkte als die Wertpapiermärkte, die weniger von psychologischen Faktoren „gestört“ werden und vor allem auch länger laufende Zyklen aufweisen, die dann relativ einfach durch den Vergleich von Durchschnittspreisen analysiert werden können.

Ein Musterbeispiel hierfür ist aktuell der Markt für Wohnimmobilien. Dort ist zur Zeit ein Preistief erreicht, nur wenige deutsche Investoren haben Interesse an deutschen Wohnungen, obwohl diese so günstig zu erwerben sind wie schon lange nicht mehr. Allerdings muss dann immer noch auf den Unterschied zwischen billig und preiswert geachtet werden: wenn das Investitionsgut zwar günstig, aber in absehbarer Zeit ohne Wertsteigerungspotential ist, dann ist es billig. Sinnvoll ist es aber preiswerte Kapitalanlagen zu identifizieren, also solche, die günstig zu erwerben sind und ein in absehbarer Zeit realisierbares Wertsteigerungspotential haben.

Dieses Wertsteigerungspotential muss intensiv überprüft werden. Bei Immobilien sind beispielsweise folgende Kriterien von Bedeutung:

Neben der Überprüfung des Standortes muss natürlich immer auch die Immobilie selbst genau geprüft werden.

Dies ist zwar Aufwand und erfordert eine Vielzahl von Daten, lohnt sich aber!

 

Welche Anlageklassen (Assets) sind aus heutiger Sicht (Januar 2009) preiswert?

Deutsche Wohnimmobilien, entweder in der Form einer Direktanlage oder eines geschlossenen Fonds, Aktienfonds nach dem massiven Crash 2008 und ebenso Rohstoffe.

Wer in diese Assets investiert kann mit hoher Wahrscheinlichkeit mittelfristig erfreuliche Gewinne erwarten.

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